Der Duft nach Vanille
Der Duft nach Vanille

Den Wald vor lauter Bäumen sehen

Manchmal komme ich mir bei der Buchmesse vor, als sei ich auf dem Mond gelandet. Es tut sich viel Unentdecktes auf.

Einen Roman selbst veröffentlichen

 

Wenn ich je geglaubt habe, dass mit dem Verfassen und Überarbeiten, Überarbeiten, Überarbeiten … meines Romans die Hauptarbeit getan sei, so werde ich immer wieder eines Besseren belehrt.

 

Eigentlich fängt die Arbeit jetzt erst an, denn als Self-Publisherin vereine ich alles in einer Person – das Setzen des Manuskriptes, die Gestaltung des Covers und des Werbematerials, das Erstellen der Homepage, das Verfassen von Pressemitteilungen, das Organisieren von Lesungen, das Beobachten der Verkaufszahlen …

 

Wer aber jetzt denkt, dass ich nun nicht mehr ruhig schlafen kann, der irrt. Denn all dies mache ich ganz freiwillig, „just for fun“ - und je mehr ich mich fit mache, desto mehr Spaß bringt es mir.

Zudem gibt es in meinem Umfeld engagierte und begabte Menschen, die mich immer wieder tatkräftig unterstützen. So habe auch ich einen Lektor, der kritisch und unermüdlich an meinem Text gefeilt hat. Eine Graphikerin die einen zum Inhalt passenden Umschlag gestaltet hat. Einen Fotografen, der mich für das Autorinnenporträt ins rechte Licht gerückt hat. Und natürlich im Vorfeld Testleserinnen und -leser, die mit ihren Mut machenden Kommentaren „Schuld“ daran sind, dass das Manuskript nun nicht mehr ein Dasein in den Tiefen meiner Festplatte fristet, sondern sich als Roman auf den Weg zu den Leserinnen und Lesern begibt.

 

Der Blick ins Nähkästchen …

 

Der Roman ist geschrieben – was nun?
Wie jede Autorin träume natürlich auch ich davon, dass ein Verlag meinen Roman unbedingt veröffentlichen möchte. Aber ich habe mich schlau gemacht und weiß, dass die Verlage von nicht eingeforderten Manuskripten überschwemmt werden. Die Lektorate sind personell nicht üppig ausgestattet und die Chance, dass gerade „Der Duft nach Vanille“ Beachtung finden wird, ist gefühlt einem Sechser im Lotto vergleichbar.
So will ich gleich schlauer sein – auch in Deutschland führt der Weg heutzutage nur noch selten an Literaturagenten vorbei – und sende mein Manuskript an eine der bekanntesten Literaturagenturen, die schon manchen Bestsellerautor unter Vertrag hat. Zunächst nur an diese eine, denn es wird erwartet, dass ich bis zu einer Zu- oder Absage nicht in Kontakt zu anderen Agenturen trete.

Einige Wochen gehen ins Land, dann flattert eine standardisierte Absage in mein E-Mail-Postfach.

Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir uns bei mehr als 1.000 Einsendungen, die uns jedes Jahr erreichen, gegen die Vertretung Ihres Romans entschieden haben …“ 

Die Enttäuschung ist natürlich da, aber auch schnell wieder zur Seite gelegt. Schließlich gibt es noch andere Literaturagenturen – und wenn die eine mich nicht als Autorin betreuen möchte, warum soll es nicht die nächste wollen? Und irgendwie kann ich die Agentur sogar verstehen – wieso soll sie sich für mich als Newcomerin engagieren, wenn sie doch schon viele bekannte Autoren unter Vertrag hat, bei denen der Erfolg eines neuen Werkes ein Selbstläufer ist?
So starte ich einen weiteren Versuch – wieder vergehen ein paar Wochen, in denen rein gar nichts geschieht, und wieder kommt eine Absage.
So ergeht es mir noch drei weitere Male, immer mehr Zeit geht ins Land. Immer klarer wird mir: wenn ich möchte, dass „Der Duft nach Vanille“ nicht in der Schub­lade verschwindet, sondern als Buch im Handel zu haben sein soll, muss ich selbst aktiv werden. In Zeiten der Digitalisierung kein unmögliches Unterfangen – Self-Publishing ist mein neues Zauberwort.

Im Buchtempel
Da passt es gut, dass die Frankfurter Buchmesse vor der Tür steht und ich Urlaub nehmen kann. Ein Schwerpunktthema ist das Self-Publishing. Da ich schon Fach­bücher geschrieben habe, kann ich ein Fachbesucherticket erwerben und so die wirklich spannenden Tage der Buchmesse erleben. Für eine Nacht gönne ich mir ein überteuertes Hotelzimmer – der Mangel bestimmt in diesen Tagen den Preis, aber „frau“ gönnt sich ja sonst nicht. Und Self-Publishing bedeutet nun einmal, zunächst selbst in Vorleistung zu treten.

Vorab stelle ich mir bereits zu Hause mit dem Online-Fachkatalog, in dem alle Aussteller, Vorträge, Lesungen und vieles mehr zu finden sind, ein individuelles Zwei-Tage-Programm zusammen. Den Schwerpunkt möchte ich natürlich auf die Self-Publishing-Area legen. Möchte herausfinden, welcher Dienstleister meinen Roman veröffentlichen soll und was ich so alles beachten muss, um im Dschungel der Selbstveröffentlichung nicht verloren zu gehen.

Als ich am ersten Tag die Messehallen betrete, gehe ich fast verloren – glaube meinen Augen nicht zu trauen. Wahre Buchtempel breiten sich vor mir aus. Große Verlage, die die Werke ihrer Bestsellerautoren wie auf einem Altar präsentieren, lassen mich spüren, wie winzig, wie unbedeutend ich dagegen bin. Mein erster Impuls ist zu fliehen – doch ich bleibe, trete erst einmal an die frische Luft, atme tief durch und sage mir, dass ich nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen habe.

Gleichzeitig verabschiede ich mich endgültig von der Hoffnung, auf der Buchmesse wichtige Kontakte knüpfen zu können und meinen Roman doch noch bei einem Publikumsverlag herausgeben zu können.

Ab jetzt geht es mir gut und ich entdecke neugierig die spannende Welt des Selbst-Verlegens von Büchern. Wähle eine gute Mischung aus Information und Inspiration. 

Die Informationen hole ich mir vielgestaltig in der Self-Publishing-Area. Spannende Fachvorträge und der Vergleich des Angebots verschiedener Dienstleister helfen mir, meinen Weg hin zur Veröffentlichung klarer vor mir zu sehen.

Die Inspirationen hole ich mir bei Lesungen und Gesprächen mit Autorinnen und Autoren. Und als ich dann auch noch einen Autor treffe, bei dem ich als Kind meine erste Lesung erlebt habe, ist die Welt wieder vollends heil.

So kehre ich nach den zwei Tagen erschöpft, aber um viele Erfahrungen und viel Wissen reicher zurück an meinen heimischen Schreibtisch.

Den Wald vor lauter Bäumen sehen
Zuhause beginnt nun die detaillierte Recherche über die Self-Publishing-Anbieter, die ich bei der Messe in die engere Wahl gezogen habe. Da hätte ich gerne die eierlegende Wollmilchsau, doch die gibt es natürlich auch hier nicht. Es gilt, Vor- und Nachteile der jeweiligen Anbieter abzuwägen und hinter den Hochglanzver­sprechungen die Realität des Selbstverlegens zu entdecken.

Reizvoll erscheint mir zwischendurch die Option, bei einem der großen Verlagshäu­ser zur Self-Publisherin zu werden. Denn die werben damit, dass ich die Chance habe, bei ihnen von Verlagslektoren entdeckt zu werden, und dass ich ausgewählt werden kann, „exklusive Verlagsservices zu genießen“. Zunächst hört sich das natürlich toll an und ich denke: „Ja, das ist mein Weg!“ Doch dann wird mir klar, was wohl wirklich dahinter steckt. Die Verlage haben mittlerweile erkannt, dass Self-Publishing salonfähig geworden ist, es durchaus vielversprechende neue Autoren gibt. Nun wollen sie einen Teil vom Kuchen abhaben und die Kontrolle über diesen Markt bekommen. Denn für die Autorenförderung wählen sie natürlich nur Self-Publishing-Autoren aus, mit denen sie Geld verdienen können, ohne ein Risiko eingehen zu müssen.

Langsam wird mir klarer, was mir wirklich wichtig ist bei meiner Wahl. Ich möchte kompetente Ansprechpartner, die gut erreichbar sind; einen starken Vertrieb, das heißt Listung des Buches bei allen wichtigen Buchgroßhändlern; aktives Marketing und eine angemessene Provision. Außerdem möchte ich nicht die ausschließlichen Verwertungsrechte abgeben – denn wer weiß, vielleicht werde ich ja doch noch entdeckt!? 

Und tatsächlich all dieses bietet der Dienstleister, für den ich mich schließlich entscheide.

Der Weg zum fertigen Buch
Mit meiner Entscheidung beginnt erneut ein intensiver Arbeitsprozess. Als erstes melde ich mich auf dem Online-Portal des Self-Publishing-Verlags meines Vertrauens an. Dort erhalte ich Zugang zu allen Optionen, ohne mich bereits endgültig zur Veröffentlichung zu verpflichten – erst wenn ich die Druckvorlage meines Romans hochladen werde und den Verlagsvertrag unterschreibe, wird meine Entscheidung endgültig. 

Mit dem Preisrechner kann ich anhand der voraussichtlichen Seitenzahl meines Romans den Verkaufspreis für die verschiedenen Ausgabeformate kalkulieren. Mit Hilfe von Design-Vorlagen mein Buch-Cover gestalten und mit Hilfe von Formatvor­lagen die Druckvorlage erstellen.

Alles ist wirklich gut überlegt – und doch klappt nicht alles reibungslos. Immer wieder ist meine Geduld gefordert, wenn die Technik nicht so will wie ich oder es von meiner Seite an Kenntnissen fehlt, um etwas wie gewollt umzusetzen. Und manchmal, da würde ich in dieser Phase zu gerne auf einen (nicht vorhandenen) Punching-Ball einschlagen, wenn wieder einmal etwas nicht so funktioniert, wie ich es will. Ich verzichte darauf, stattdessen auf meinen Mann einzuschlagen …

Auch eine Erkenntnis in dieser Phase der Veröffentlichung: ohne Menschen um mich herum, die an mich glauben, die mir Mut machen, mich aufbauen, wenn Selbstzwei­fel kommen, aber andererseits kritische Ratgeber sind, würde ich es nicht schaffen, den Roman selbst herauszugeben.

Irgendwann ist es tatsächlich geschafft – die Formatvorlage ist erstellt und der Druck des Romans in Auftrag gegeben. Und dann geht alles wirklich sehr schnell - am Sonntag, den 5. März 2016 lade ich den Roman hoch und ab Donnerstag, den 10. März 2016 ist er zumindest im Online Handel schon bestellbar. Bis das Buch bei den Großhändlern gelistet wird können allerdings bis zu vier Wochen vergehen. Und ich selbst muss auch noch ein paar Tage Geduld haben, bis ich die von mir georderten Exemplare vom Roman in den Händen halte.

Also immer noch kein wirklicher Grund, die Sektkorken knallen zu lassen, denn nun muss der Roman auch noch den Weg zu den Leserinnen und Lesern finden. Und vielleicht wird das sogar der schwierigste Teil meiner Expedition.

Der Weg zu den Leserinnen und Lesern

Nein, diese Illusion habe ich nicht – „Der Duft nach Vanille“ wird nicht am Tag seines Erscheinens gut sichtbar in den Buchhandlungen quer durch die Republik bei den Neuerscheinungen platziert sein. Ich werde Geduld haben müssen, bis er den Weg zu den Leserinnen und Lesern findet. Und vor allem muss ich selbst aktiv wer­den, damit daraus überhaupt etwas wird. Und dies ist mir auch bereits im Vorfeld klar: alle Arbeit, die sonst ein Verlag übernimmt, muss ich nun selbst in meine Hän­de nehmen. Und dazu gehören eine Homepage, ein Facebook-Auftritt, Pressearbeit, Lesungen organisieren, Werbematerial gestalten, Klinken putzen in Buchhandlungen, um wahrgenommen zu werden …

Kurzum – manchmal habe ich das Gefühl, die eigentliche Arbeit beginnt erst mit der Veröffentlichung meines Romans. Aber wer rastet, der rostet …


Der Duft nach Vanille
Roman, 212 Seiten
Tredition Verlag
www.tredition.de


Paperback     ISBN 978 – 7345 – 0043 – 5 (9,99 €)
Hardcover     ISBN 978 – 7345 – 0044 – 2 (18,99 €)
e-book           ISBN 978 – 7345 – 0045 – 9 (3,95 €)
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